Die Hassrede von Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi an sein Volk hat am Mittwochmorgen einen weiteren Anstieg der Rohölpreise ausgelöst. Dass al-Gaddafi scheinbar mit allen Mitteln an der Macht bleiben will, schürt an den Future-Märkten die Angst vor einer Eskalation der Gewalt und dem damit verbundenen Zusammenbruch der Ölindustrie. Die Investoren fragen sich auch, wie andere arabische Diktaturen auf die Proteste in ihren Ländern reagieren werden.
Anders als al-Gaddafi setzt das Regime in Algerien auf eine Politik der Entspannung. Dort hat die Regierung laut Medienberichten am Dienstag den vor 19 Jahren verhängten Ausnahmezustand aufgehoben. Algerien gehört zur Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) und hat 2009 laut einer aktuellen OPEC-Statistik 1,272 Mio Barrel pro Tag gefördert.
In Irans Hauptstadt Teheran wurden am Wochenende dagegen erste Proteste von der Polizei aufgelöst; Oppositionsgruppen haben die Menschen bereits zu weiteren Märschen aufgerufen. Iran ist mit einer Förderung von 3,726 Mio Barrel pro Tag der zweitgrößte OPEC-Produzent.
Beim größten OPEC-Mitglied Saudi Arabien ist die Lage bis jetzt ruhig geblieben. Der Nahost-Experte Stephan Roll von der Stiftung Wissenschaft und Politik hält das Land für „wesentlich stabiler“ als die Diktaturen anderer arabischer Staaten. Im Interview mit dem „Handelsblatt“ sagte der Wissenschaftler, dass ein Regimewechsel in Riad nahezu ausgeschlossen sei. Saudi Arabien hat 2009 laut OPEC-Statistik 8,055 Mio Barrel pro Tag gefördert.
Bereits am Montag waren die Preise der April-Kontrakte für US Leichtes Rohöl und Brent um 7,06% respektive 4,52% gestiegen, als Aufständische im Osten Libyens mit der Unterbrechung der Erdöllieferungen gedroht hatten. Libyen hat 2009 laut OPEC-Studie 1,557 Mio Barrel pro Tag produziert.

Quelle: Handelsplattform PureDeal
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Aktualisiert: André Saenger, 23/02/11
